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Rudolf Lavant · Modernismo

Das Maienfest der Massen

alemán

Das Maienfest der Massen.

So steige denn nach linder Nacht
Zur Lust der Denkenden und Freien
Herauf in Deiner Sonnenpracht,
Du Feiertag des ersten Maien!
Vom Strand der Themse zum Vesuv
Füllst Du mit Feiernden die Gassen;
Es war die Freiheit, die Dich schuf ―
Drum grüßen Dich mit Jubelruf
Die duldenden, enterbten Massen!

Ein Fest von tiefstem Ernst erfüllt
Und dennoch unaussprechlich heiter.
Ein Banner ward an ihm enthüllt
Durch tapfre unbeugsame Streiter,
Und seit es stolz im Winde weht,
Sieht immer wieder man erblassen,
Was rücksichtslos zusammengeht
Und angstgepeinigt widerstrebt
Dem Anprall der erregten Massen.

Sie fühlen, daß des Himmels Licht
In jene unbekannten Tiefen
Sich breite Bahnen siegend bricht,
In denen Riesenkräfte schliefen,
Sie fühlen mehr und minder klar,
Daß sie nicht ewig ruhig prassen,
Sie fühlen, daß nicht immerdar
Der Einsicht, des Entschlusses bar
Die hungernden, erschöpften Masse.

Sie haben es so oft verhöhnt,
Das Volk gedankenloser Knechte;
Sie klammern sich, vom Glück verwöhnt,
An ihre Macht, an ihre Rechte.
Es gährt in ihrer Brust der Groll,
Sie können’s nie und nimmer fassen,
Es macht sie blind, es macht sie toll,
Daß plötzlich man verhandeln soll
Mit diesen sonst so stummen Massen.

Woher auf einmal dieser Geist
So drohend und so unerklärbar,
Der unabweislich, keck und dreist
Von Rechten spricht, die unverjährbar?
Man hat sonst bittend nur gelallt
Mit trüben Augen, thränennassen,
Man zitterte vor der Gewalt;
Jetzt wird sogar die Faust geballt
Von kraftbewußten düstern Massen!

Wie Sturm durch alle Lande fährt
Dasselbe ungestüme Fodern;
Wohin man blickt, es braut und gährt
Und tausend finstre Augen lodern!
Wird man zuletzt, erdrückt, umringt,
Gezwungen sein, sich anzupassen
Dem Neuen, das die Zukunft bringt,
Der Ordnung, die mit Macht erzwingt
Der Ansturm zielbewußter Massen?

Kein Wunder, daß mit bleichem Mund
Sie uns und unsrem Streben fluchen,
Daß sie der freien Völker Bund
Mit List und Trug zu sprengen suchen.
Man jagt sie aus dem weichen Nest ―
Kein Wunder, daß sie tief uns hassen,
Daß laut man schmäht in Ost und West,
In Nord und Süd der Arbeit Fest,
Das schöne Maienfest der Massen!

Doch aller Haß und aller Hohn,
Mit dem sie zitternd uns verlachen,
Kann lieber nur dem braunen Sohn
Der Arbeit diese Feier machen.
Wer sie begeht im grünen Hag,
Der kann die Gegner geifern lassen,
Denn komme, was da kommen mag,
Es wird des Maien erster Tag
Dereinst zum Siegesfest der Massen!
R.L.

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Autor
Rudolf Lavant
Título
Das Maienfest der Massen
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-das-maienfest-der-massen--rudolf-lavant-395da6
Cita recomendada
Rudolf Lavant, «Das Maienfest der Massen», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-das-maienfest-der-massen--rudolf-lavant-395da6.html

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