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Rudolf Lavant · Modernismo

Den österreichischen Arbeitern

alemán

69 Den österreichischen Arbeitern

Der Arbeit treues Volk im Osten,
Vom roten Banner überwallt –
Wie stehst Du ernst auf Deinem Posten,
In stummem Trotz die Faust geballt.
Die Stirn zu Furchen und zu Wellen
Zerpflügt vom ehernen Geschick,
Und doch im Auge stets den hellen,
Den stolzen Ueberwinderblick!

Der Büttel Schwarm, der Troß der Pfaffen,
Sitzt Dir im Nacken immerfort.
Du aber schleifst die treuen Waffen
Und lauschst der Wahrheit klarem Wort.
Ergriffen hat Dich ein Gedanke
Im tiefsten Sein mit Zaubermacht,
Und niederbrichst Du jede Schranke
Und suchst den Weg in Sturm und Nacht.

Du hast für die Idee geblutet
Die Faust voll Schwielen und voll Ruß;
Ein Meer von bittern Tränen flutet
An Deiner stolzen Dränger Fuß.
Sie knirschen grimmig mit den Zähnen:
Der arme, der getretene Knecht
Erkauft sich doch mit Blut und Tränen
Sein unveräußerliches Recht.

Wohl mögen unter sich sie hadern
Und giftig sich ins Auge schaun,
Doch rieselt stets durch ihre Adern
Dabei ein tief geheimes Graun —
Das Graun vor Dir und vor den Deinen,70
Das Grauen vor der neuen Zeit,
Und wider Dich sich zu vereinen,
Sind sie in Furcht und Haß bereit.

Und wie sie brüderlich verbunden
Und Hand in Hand zum Streite gehn,
Wirst Du in Deinen schwersten Stunden
Allein, verlassen, einsam stehn.
Nur Deiner Kraft darfst Du vertrauen,
Denn fremder Beistand ist ein Wahn –
Durch eine Welt von Feinden hauen
Mußt Du Dir selber Deine Bahn.

Kein leichtes Los ist Dir gefallen,
Den ein Gedanke vorwärtstreibt
Doch siegen wirst Du, wenn in allem
Der Geist von heut' lebendig bleibt.
Der Feind mag auf die Stärke pochen,
Von deren Tritt die Erde bebt –
Es ist noch jede Form zerbrochen,
Wenn sie sich selber überlebt!

Du darfst schon jetzt den Blick erheben,
Du darfst getrost schon heute sein:
Ein großer Zug, ein frisches Streben
Geht heut' nur durch der Arbeit Reihn,
Und wo die großen Kräfte walten
Und wo des Rechtes Banner fliegt,
Da gibt's kein Stocken und kein Halten,
Bevor des Kampfes Preis ersiegt.

So schließt die Reih'n, die kampfesfrohen,
Die Eure beste Hoffnung sind,
Und schlagt das Schmeicheln wie das Drohen
Als freie Männer in den Wind!
In Österreichs ausgedehnten Landen,
Wo Sprache wider Sprache ficht,
Sei eine überall verstanden:
Die Sprache, die die Arbeit spricht!

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Autor
Rudolf Lavant
Título
Den österreichischen Arbeitern
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-den-osterreichischen-arbeitern--rudolf-lavant-fd10ab
Cita recomendada
Rudolf Lavant, «Den österreichischen Arbeitern», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-den-osterreichischen-arbeitern--rudolf-lavant-fd10ab.html

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