14 Am Ufer steht ein Rosenstrauch,
Auf dem schon manche Ros’ verglühte,
Nur eine Knospe in dem Hauch
Des Frühroths eben erst erblühte.
Es spielt mit ihr der milde West,
Und wiegt den Stengel hin und wieder,
Daß sie das Haupt hoch sehen läßt,
Und bald zum Wasser senket nieder.
So zwischen Baum und Teichesfluth
Kann sie mit beiden gleich verkehren,
Denn Rosen sind der Liebe Gluth,
Weil Liebe Rosen hält in Ehren.
Die Knospe fühlet sich gerührt,
Sie dient dem Leidenspaare gerne,
Mit Innigkeit das Wort sie führt
Für Lieb’ so nah sich und so ferne.
Ein Blatt nimmt sie aus eig’ner Brust,
Das Liebste soll ein Wort d’rauf schreiben,
Das wirft sie in die Fluth mit Lust,
Daß es zum Fischlein möge treiben.
15 Umsonst der West gebeten hat,
Sie mög’ die Brust sich nicht zerreißen;
„Gäb’ ich der Liebe nicht mein Blatt,
Verdient’ ich Rose dann zu heißen?“
Spricht sie, und spricht zum Fischlein dann:
„Willst du denn Liebe dir versagen?
Die Blumen schau’, die Sterne an,
Und was von Liebesglück sie sagen:
„Dem Herzen nicht, das glatt und heil
Sich aus dem Leben hat gerettet,
Wird oben in dem Lichtestheil
Des Lohnes weichster Platz gebettet.
„Der Himmel liebt ein wundes Herz,
Das viel geblutet und gelitten,
Das in des Lebens Lust und Schmerz
Beglückt, geliebet und gelitten.“