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Otto Ernst · Vanguardias / s. XX

Sklavenmoral

alemán

Mein Junge, du wirst zu treu und zu gut —
Fast möcht ich dich wecken!
Ich seh’s mit schwellendem Stolz und ich seh’s
Mit wachsendem Schrecken.

Dein Auge feuchtet ein keuscher Glanz
Wie Tau einer Blüte;
Es atmet durch deinen weichen Mund
Die träumende Güte.

Dir zuckt’s um die Lippen bei fremdem Schmerz,
Und du willst ihn lindern —
Ein wunderbares, befremdliches Ding
Bei der Menschen Kindern.

Pass’ auf, sie werden dich früh genug
Vor den Karren spannen;
Und hast du die Last zu Berge geschleppt,
Man hetzt dich von dannen.

Weh dir, wenn ein Gott in den Geist dir gelegt
Gewalt des Propheten —
Sie werden überbrüllen dein Wort
Und im Kot dich zertreten.

Du wirst sie mit blankem, sausendem Schwert
Zum Siege führen —
Dann aber wirst du dich krümmen im Staub
Vor ihren Türen.

Ich seh’s um deine zarte Stirn
Wie Dornen und Blut —
Und ich reiße dich wild ans hämmernde Herz
In aufjubelnder Glut.

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Expediente

Autor
Otto Ernst
Título
Sklavenmoral
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Libro o colección de origen
Gedichte
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-sklavenmoral--otto-ernst-7c0ab6
Cita recomendada
Otto Ernst, «Sklavenmoral», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-sklavenmoral--otto-ernst-7c0ab6.html

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